Ab wann hat man Fieber – Grenzwerte für Erwachsene, Kinder und Babys


Fieber gehört zu den häufigsten körperlichen Reaktionen auf Infektionen. Doch ab welcher Temperatur sprechen Mediziner tatsächlich von Fieber? Die Antwort ist komplexer als die oft genannte Marke von 37 Grad Celsius. Nach den aktuellen Leitlinien des Robert Koch-Instituts (RKI), des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterscheiden sich die Schwellenwerte signifikant zwischen Erwachsenen, Kindern und Säuglingen. Entscheidend sind zudem die Messmethode und die Tageszeit.

Die normale Körpertemperatur schwankt im Tagesverlauf natürlicherweise um bis zu 0,5 Grad Celsius. Während morgendliche Werte tendenziell niedriger ausfallen, steigt die Temperatur abends an. Diese physiologischen Variationen erschweren eine pauschale Definition. Präzise Grenzwerte basieren daher auf der rektalen Messung als Goldstandard, da diese der Kerntemperatur am nächsten kommt.

Ab welcher Temperatur spricht man von Fieber?

Normale Variation

36,5–37,5 °C im Tagesverlauf, abhängig von Messzeitpunkt und individueller Ausgangslage

Fiebergrenze rektal

Erwachsene: ab 38,0 °C
Kinder: ab 38,5 °C
Babys: ab 38,0 °C

Hohes Fieber

Ab 39,0 °C bei Erwachsenen
Ab 39,5 °C bei Kindern
Krampfanfälligkeit möglich

Messgenauigkeit

Rektal: Fehler <0,1 °C
Oral: ±0,2 °C
Achsel: ±0,5–1,0 °C

  • Die Körpertemperatur folgt einem circadianen Rhythmus mit Abweichungen bis zu 0,5 Grad Celsius innerhalb von 24 Stunden
  • Rektal gemessene Werte gelten als Referenzstandard mit der geringsten Fehlertoleranz
  • Bei oraler Messung liegt die Fiebergrenze für Erwachsene bei etwa 37,6 Grad Celsius
  • Axilläre Messungen in der Achselhöhle erfordern eine mathematische Korrektur von plus 0,5 bis 1,0 Grad Celsius
  • Hyperpyrexie ab 41,0 Grad Celsius stellt einen lebensbedrohlichen Notfall dar, der sofortige medizinische Intervention erfordert
  • Die individuelle Normtemperatur variiert zwischen Personen um bis zu 0,5 Grad Celsius
Altersgruppe Messort Normbereich Fieber ab Hohes Fieber
Erwachsene Rektal 36,6–38,0 °C >38,0 °C >39,0 °C
Erwachsene Oral 36,2–37,6 °C >37,6 °C >38,6 °C
Erwachsene Achsel* 35,5–37,0 °C >37,5 °C >38,5 °C
Kinder (>3 Mon.) Rektal 36,6–38,0 °C >38,5 °C >39,5 °C
Kinder (>3 Mon.) Oral 36,2–37,6 °C >38,1 °C >39,1 °C
Babys (0–3 Mon.) Rektal 36,5–37,5 °C >38,0 °C >39,0 °C

* Bei axillärer Messung addiert man 0,5 bis 1,0 Grad Celsius zum angezeigten Wert, um den vergleichbaren rektalen Wert zu erhalten.

Fieber bei Kindern und Babys: Ab wann?

Säuglinge in den ersten drei Lebensmonaten

Bei Neugeborenen und Säuglingen bis drei Monaten gilt eine rektal gemessene Temperatur über 38,0 Grad Celsius als kritisches Alarmzeichen. Das RKI warnt in seinen Leitlinien explizit vor dem erhöhten Risiko für schwere bakterielle Infektionen wie Sepsis oder Meningitis in diesem sensiblen Entwicklungsstadium. Eltern sollten in diesen Fällen unverzüglich einen Arzt aufsuchen.

Die WHO-IMCI-Richtlinien definieren für Babys unter zwei Monaten bereits eine Temperatur über 37,5 Grad Celsius rektal als Fieber, was eine niederschwelligere Beurteilung erfordert. Fieber bei Babys und Kindern erfordert daher besondere Aufmerksamkeit.

Kleinkinder und ältere Kinder

Ab dem dritten Lebensmonat liegt die Fiebergrenze bei Kindern bei 38,5 Grad Celsius rektal. Werte zwischen 37,5 und 38,4 Grad Celsius gelten als subfebril und deuten oft auf eine leichte Infektion hin. Bei Temperaturen über 39,5 Grad Celsius spricht man von hohem Fieber, welches bei fünf Prozent der Kinder zu fiebrigen Krämpfen führen kann.

Das IQWiG betont in seiner Patienteninformation, dass Fieber unter 38,5 Grad Celsius bei Kindern in der Regel nicht medikamentös gesenkt werden muss, da es sich um eine natürliche Abwehrreaktion handelt.

Wie misst man die Körpertemperatur richtig?

Rektale Messung als Referenzstandard

Die rektale Temperaturmessung gilt als Goldstandard, da sie die Kerntemperatur mit einer Abweichung von weniger als 0,1 Grad Celsius am genauesten widerspiegelt. Für die Durchführung führt man das digitale Thermometer etwa zwei bis drei Zentimeter tief in den After ein und wartet das akustische Signal ab, welches nach circa drei Minuten ertönt. Hygienische Maßnahmen wie die Desinfektion des Messkopfes vor und nach der Anwendung sind obligatorisch.

Orale und axilläre Verfahren

Die orale Messung eignet sich für Erwachsene und Kinder über fünf Jahre. Die Messperson legt die Spitze des Thermometers unter die Zunge, hält den Mund geschlossen und atmet während der drei Minuten Messzeit ausschließlich durch die Nase. Vorheriges Essen oder Trinken verfälscht das Ergebnis, weshalb ein Mindestabstand von 15 Minuten eingehalten werden muss.

Bei der axillären Messung in der Achselhöhle presst man den Arm fest gegen den Thorax und wartet fünf bis zehn Minuten. Diese Methode ist zwar einfach durchzuführen, liefert jedoch Werte, die bis zu einem Grad Celsius unter der tatsächlichen Kerntemperatur liegen.

Tympanale und temporale Alternativen

Infrarot-Thermometer am Ohr (tympanal) oder an der Stirn (temporal) bieten zwar Schnelligkeit, weisen jedoch höhere Toleranzen auf. Ohrmessungen sind bei Kindern unter sechs Monaten ungeeignet und bei verstopften Gehörgängen unzuverlässig. Stirnthermometer zeigen typischerweise Abweichungen von bis zu 0,3 Grad Celsius.

Wann ist Fieber gefährlich und zum Arzt gehen?

Sofortmaßnahmen bei Säuglingen

Bei Babys unter drei Monaten gilt jede rektal gemessene Temperatur über 38,0 Grad Celsius als Notfall. Das Risiko für eine Blutvergiftung (Sepsis) oder Hirnhautentzündung ist in diesem Alter signifikant erhöht. Eltern sollten unverzüglich die Kinderarztpraxis aufsuchen oder die Notaufnahme aufsuchen.

Dringlichkeitsstufen nach Altersgruppen

Gruppe Arztbesuch erforderlich Sofort (Notarzt/Notaufnahme)
Babys <3 Monate Immer bei >38,0 °C Lethargie, Atmung >60/min, Hautausschlag
Babys 3–6 Monate >38,5 °C über 24 Stunden >39,0 °C, Krämpfe, Trinkmangel <3×/24h
Kinder >6 Monate >39,0 °C über 48 Stunden >40 °C, Nackensteifigkeit, Bewusstseinsstörung
Erwachsene >39,0 °C über 3 Tage >40 °C, Brustschmerzen, Atemnot, Immunschwäche

Die WHO-Datenbank weist darauf hin, dass hohes Fieber bei Kindern unter fünf Jahren das Risiko für Pneumonien erhöht. Bei Erwachsenen mit Immunschwäche, etwa durch Chemotherapie oder HIV, gelten niedrigere Schwellenwerte. Hier sind die Grenzwerte für Fieber bei Erwachsenen, Kindern und Babys, und falls Sie sich fragen, was Morbus Basedow ist, finden Sie hier weitere Informationen. Was ist Morbus Basedow

Korrekturwerte für Achselmessungen

Um rektale Referenzwerte aus axillären Messungen abzuleiten, addiert man 0,5 bis 1,0 Grad Celsius zum angezeigten Wert. Ohne diese mathematische Korrektur besteht die Gefahr einer Unterschätzung der tatsächlichen Körperkerntemperatur, was bei der Entscheidung über Arztbesuche kritisch sein kann.

Therapeutische Grenzen

Hyperpyrexie, definiert als Temperatur über 41,0 Grad Celsius, stellt unabhängig vom Alter einen lebensbedrohlichen Zustand dar, der sofortige notfallmedizinische Versorgung erfordert. Symptome wie Schüttelfrost, Verwirrtheit oder Bewusstlosigkeit begleiten oft diese kritischen Werte.

Fiebersenkung bei Kindern

Das IQWiG empfiehlt, bei Kindern Fieber unter 38,5 Grad Celsius nicht medikamentös zu senken. Febrile Krämpfe treten nur bei weniger als fünf Prozent der Fälle auf. Aspirin (Acetylsalicylsäure) ist bei Kindern kontraindiziert, da es das Reye-Syndrom auslösen kann. Paracetamol oder Ibuprofen gelten als sichere Alternativen.

Weitere Details zu Handlungsempfehlungen finden sich bei der Gesundheitsinformation.

Historische Entwicklung der Fieberdefinition


  1. Carl Reinhold August Wunderlich veröffentlicht seine Studie mit über einer Million Messungen und etabliert 37,0 Grad Celsius als Normalwert für gesunde Erwachsene.

  2. Die internationale Medizin definiert einheitlich Temperaturen über 38,0 Grad Celsius als Fiebergrenze, basierend auf rektalen Messungen.

  3. Digitale Thermometer verdrängen die quecksilberhaltigen Glasthermometer aufgrund besserer Ablesbarkeit und geringerer Bruchgefahr.

  4. Infrarot-Technologie ermöglicht berührungslose Messungen an Stirn und Ohr, führt jedoch zu neuen Debatten über Messgenauigkeit.

  5. Die WHO aktualisiert ihre IMCI-Richtlinien (Integrated Management of Childhood Illness) mit spezifischeren Fieberschwellen für Säuglinge unter zwei Monaten.

Gesichertes Wissen und verbleibende Unsicherheiten

Evidenzbasiert gesichert

  • Rektale Messungen über 38,0 Grad Celsius definieren Fieber bei Erwachsenen
  • Hyperpyrexie über 41,0 Grad Celsius ist ein medizinischer Notfall
  • Tageszeitliche Schwankungen der Körpertemperatur um bis zu 0,5 Grad Celsius sind physiologisch normal
  • Aspirin ist bei Kindern mit viralen Infekten kontraindiziert

Wissenschaftlich nicht abschließend geklärt

  • Individuelle Normtemperatur variiert interindividuell um ±0,5 Grad Celsius ohne Krankheitswert
  • Exakte Fieberschwellen bei Patienten mit Immunschwäche oder Autonomie-Störungen
  • Langzeitfolgen wiederkehrender subfebrile Temperaturen bei Kleinkindern

Physiologischer Hintergrund: Warum steigt die Temperatur?

Fieber stellt eine evolutionär konservierte Abwehrreaktion des Organismus dar. Pyrogene, also fiebererzeugende Substanzen aus Krankheitserregern oder dem eigenen Immunsystem, beeinflussen das Temperaturregulationszentrum im Hypothalamus. Durch eine Anhebung der Solltemperatur aktiviert der Körper Abwehrmechanismen wie die verstärkte Aktivität weißer Blutkörperchen.

Wesentlich ist die Abgrenzung zur Hyperthermie. Während Fieber eine zentral gesteuerte Temperaturerhöhung darstellt, bei der der Organismus die Wärmeproduktion regulieren kann, liegt bei Hyperthermie (Hitzschlag) eine Störung der Wärmeabgabe vor. Dieser Unterschied hat therapeutische Konsequenzen: Bei Fieber helfen Wadenwickel, bei Hitzschlag hingegen können sie schädlich sein.

Wissenschaftliche Grundlagen und Expertenstimmen

„Fieber ab 38,3 Grad Celsius rektal gilt als Symptom einer Infektionskrankheit. Bei Säuglingen unter drei Monaten ist ab 38,0 Grad Celsius unbedingt ein Arzt aufzusuchen, da das Risiko für schwere bakterielle Infektionen erhöht ist.“

Robert Koch-Institut, Leitlinien zu Infektionskrankheiten

„Fieber unter 38,5 Grad Celsius bei Kindern sollte nicht medikamentös gesenkt werden. Die sogenannten febrilen Krämpfe treten bei weniger als fünf Prozent der Kinder auf und hinterlassen in der Regel keine bleibenden Schäden.“

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

Zusammenfassung und Handlungsempfehlung

Fieber beginnt bei Erwachsenen rektal gemessen ab 38,0 Grad Celsius, bei Kindern ab 38,5 Grad Celsius. Säuglinge unter drei Monaten erfordern bei Werten über 38,0 Grad Celsius unverzüglich ärztliche Abklärung. Die Messmethode beeinflusst das Ergebnis signifikant: Rektal messen liefert die zuverlässigsten Werte, während axilläre Messungen korrigiert werden müssen. Weitere Informationen zur Normale Körpertemperatur und Fieber finden sich in der spezialisierten Übersicht.

Ist 37,5 Grad Celsius schon Fieber?

Nein, dies liegt im Bereich normaler tageszeitlicher Schwankungen. Fieber beginnt bei Erwachsenen erst bei über 38,0 Grad Celsius rektal gemessen.

Warum ist morgens die Temperatur niedriger als abends?

Der circadiane Rhythmus senkt die Körperkerntemperatur nachts um bis zu 0,5 Grad Celsius. Abendmessungen zeigen daher typischerweise höhere Werte ohne Krankheitswert.

Kann man Fieber ohne Thermometer zuverlässig erkennen?

Glühende Wangen, Schwitzen oder Schüttelfrost deuten auf Fieber hin, sind jedoch unsicher. Eine objektive Messung mit Thermometer bleibt für die Diagnose unverzichtbar.

Wie lange sollte man Fieber beobachten, bevor man zum Arzt geht?

Erwachsene bei Temperaturen über 39,0 Grad Celsius nach drei Tagen. Babys unter drei Monaten benötigen sofortige ärztliche Versorgung bereits bei 38,0 Grad Celsius.

Darf man bei hohem Fieber duschen oder baden?

Lauwarmes Duschen ist möglich, jedoch keine alkoholhaltigen Abreibungen. Wadenwickel mit lauwarmem Wasser helfen bei Temperaturen über 39 Grad Celsius.

Warum sollte man Kindern kein Aspirin bei Fieber geben?

Acetylsalicylsäure kann bei viralen Infekten das lebensgefährliche Reye-Syndrom auslösen. Paracetamol oder Ibuprofen gelten als sichere Alternativen für Kinder.